Auftaktveranstaltung am 05.03.2004

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See gewonnen, die Heimat verloren.

Beeindruckende Auftakt-Veranstaltung zum Juniliäum 50 Jahre Forggensee im Schwangauer Kurhaus am 05.03.2004

 

Die Region hat einen gerade auch den Tourismus fördernden See gewonnen, die Menschen aus Forggen und Deutenhausen allerdings verloren ihre Heimat. So kann man die Auftakt-Veranstaltung zum Jubiläum 50 Jahre Forggensee im voll besetzten Kurhaus Schwangau zusammenfassen. Drei Referenten beleuchteten einige Facetten des Sees. 

 

„Eine ungewöhnliche und beeindruckende Veranstaltung", lobten Landtagsabgeordnete Angelika Schorerund Landratjohann Fleschhut übereinstimmend. Viele, die wegen des Stausees umsiedeln mussten, waren der Einladung zu dieser Auftaktveranstaltung gefolgt. Das Aufzeigen einiger wichtiger Facetten aus der See-Geschichte sei daher die richtige WahLgewesen, betonten Schorer und Fleschhut.

 

Bürgermeister Reinhold Sontheimer begrüßte die zahlreichen Gäste: „Ich bin überwältigt heute Abend, in einem Kurhaus, dasfast aus allen Nähten platzt." Der so nicht erwartete Besucheransturm füllte alle Säle des Kurhauses und erforderte Nachschub an Tischen und Stühlen. 

 

In einen erdgeschichtlichen Rückblick schilderte Peter Nasemann die Entstehung des Eiszeitbeckens, das den Forggensee umschließt. Die Anrainergemeinden liegen etwas erhöht, über der riesigen Bodenvertiefung, die Eiszeitgletscher in Jahrmillionen ausgeschliffen haben. Erstes Leben aus dem Schwangauer Gebiet zeigte der Amateur-Geologe mit einem versteinerten „Gyrolepsis schwangauensis", dem einzigen weltweit. Dieser Fisch schwamm vor gut 220 Millionen Jahren in einem warmen Meer, aus dem sich ein Atoll erhob. Der Bereich um den Schwanseepark entstand daraus. Die Faltung der Gebirge und ihr unmittelbarer Übergang in die Ebene um Schwangau ist eine weitere erdgeschichtliche Einmaligkeit, hob Nasemann hervor. Vor 15 000 bis 20 000 Jahren schoben sich mehrere hundert Meter dicke Eiszungen von Gletschern in diese Ebene und schliffen diese zum Becken des großen- Füssener Eiszeitsees. Es blieben Vertiefungen, so genannte Toteis-Löcher, zurück: heute die Seen rund um den von Menschenhand geschaffenen Forggensee.

 

Symbol fürs wilde Bergwasser

„Mehr nachdenken über den Forggensee, als ihn zu feiern" - unter dieses Motto setzte Magnus Peresson seinen Vortrag über die geschichtlichen Zeugnisse rund um den Stausee. Er führte die Zuhörer auf dem wohl insgesamt am besten erhaltenen Teil des Straßendammes der- römischen Via Claudia Augusta (VCA) über gut zwei Jahrtausende zurück. Ein geheimnisvoller, vermutlich keltischer Brandopferplatz beim lilasbergsee, die Bleiplättchen zur Kennzeichnung von Handelsgütern aus einem Warenumschlagplatz an der VCA bei Dietringen, mittelalterliche Hinterlassenschaften von der Verhüttung von Metall und Glas, aber auch Kacheln oder Teile eines Essbestecks belegten seine Erzählungen über die Geschichte vor dem Forggensee. Magnus, den Heiligen des Allgäus, zeigte er im Kampf mit dem Drachen im Tiefental bei Roßhaupten. Der Drache könnte das Symbol für das wilde Bergwasser gewesen sein und Magnus ein erster „Flussregulierer", dem es gelang, dieses zu bändigen, interpretierte Peresson.

 

Verlust kaum verschmerzt

Mit vielen Fotos des Schwangauer „Heimatfotografen" Karl Singer zeigte Georg Grieser die weite Schwangauer Ebene, ehe diese Auenlandschaft im Forggensee versank. Er ließ keinen Zweifel daran, dass die ausgesiedelten Menschen den Verlust ihrer Heimat kaum verschmerzt haben. Selbst dann nicht, wenn sie finanziell großzügig entschädigt wurden. Menschen, Heimat, Höfe, Wiesen, der sich verändernde Flussverlauf, der in Mäanderschleifen durch die herrlichen Auenlandschaft fließende Lech... Schöne Bilder und oft wehmütige Schilderungen, mit denen er an Vergangenes erinnerte. Grieser fand am Ende seines Vertrags den Übergang zum „neuen", inzwischen 50 Jahre alten Stausee: Mit einem Foto bewies er, dass auch „der See" - wie der Forggensee immer noch mit Distanz bezeichnet wird - ein ihm eigenes, schönes und nicht zuletzt ein lukratives Gesicht entwickelt hat.

 

 

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Hinweis:

Alle drei Vorträge sind nochmals, aber ausführlicher - jeweils um 20 Uhr im Kurhaus Schwangau - zu hören. Am 7. April Georg Grieser mit „Erinnerung an eine verlorene Heimat", am 17. April Magnus Peresson mit „Bilder aus einer versunkenen Welt" und am 12. Mai Peter Nasemann mit „Das Werden einer Landschaft". Über alle Veranstaltungen zum Forggensee-Jubiläum informiert ein Flyer, der in den Tourismus Informationen aufliegt.