• Das Haus von Ilse Schneider-Lengyel am Bannwaldsee (Akademie der Künste Berlin/Hans-Werner-Richter-Archiv, Nr. 548/40, Foto: Heinz H. Naumann
  • Die Gruppe 47 bei einem ihrer ersten Treffen, Akademie der Künste Berlin/Hans-Werner-Richter-Archiv (Nr. 692, Foto: Heinz H. Naumann)
  • Ilse Schneider-Lengyel, Bayerische Staatsbibliothek München/Ana 372, Schachtel 9
  • Etruskischer Sarkophag aus Cerveteri, 1941 (Foto: Ilse Schneider-Lengyel)
  • Ilse Schneider-Lengyel auf ihrer "Viktoria" unterwegs in Schwangau (Bayerische Staatsbibliothek München/Ana 372)

Kulturfestival „september-phase 2017“ in Schwangau

Vom 6. bis 30. September 2017 wurde an das erste Treffen der Gruppe 47 vor 70 Jahren erinnert

Historischer Schauplatz des Treffens vor 70 Jahren war das idyllisch gelegene „Seegut Bannwaldsee“ und angeregt hatte es seinerzeit dessen Besitzerin:
Ilse Schneider-Lengyel (1903-1972).
Auf Initiative und Einladung der Fotografin, Kunsthistorikerin, Ethnologin und Dichterin sowie des Schriftstellers Hans Werner Richter kamen vom 6. bis 7. September 1947 insgesamt 17 Personen zur Redaktionskonferenz für eine geplante literarische Zeitschrift in Schwangau zusammen.
Die Tagung gilt bis heute als „Geburt“ der Gruppe 47, die den Literaturbetrieb in der Bundesrepublik Deutschland für zwei Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat.


Wer war Ilse Schneider-Lengyel?


Sie gehört zu den bedeutenden, bislang aber eher unbekannten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts, die sich im Bereich der Kunstfotografie und der Künstlerischen Fotografie zu behaupten wussten. Als sich selbst so bezeichnende „Lichtbildnerin“ vermochte sie, vor allem Werke der Bildhauerkunst in ein verlebendigendes Licht zu rücken. 1933 mussten Ilse Schneider-Lengyel und ihr jüdischer Ehemann emigrieren; ab 1935 lebte und arbeitete das Künstlerpaar in Vanves bei Paris. Ilse Schneider-Lengyel unterhielt dort ein Fotostudio und publizierte regelmäßig bei internationalen Kunstbuchverlagen. 1946 kehrte sie nach Deutschland zurück. Mit zeitlichen Unterbrechungen wirkte sie fortan als Fotografin, Journalistin und Schriftstellerin am Bannwaldsee. 
In Schwangau und Umgebung erinnern sich noch viele Menschen an die ungewöhnliche Frau, die zu Unrecht und in Unkenntnis ihres Lebens und ihrer Arbeit als "Hexe vom Bannwaldsee" bezeichnet wurde. Ihr extravagantes, unkonventionelles Äußeres, vor allem aber ihre regelmäßigen Motorradfahrten durch Schwangau, riefen großes Staunen hervor. 

Die „september-phase 2017"

Mit der Wanderausstellung „Ich bin als Rebell geboren“ (Ort: Schlossbrauhaus) nebst Katalog und einem Rahmenprogramm (Ort: Schloss Bullachberg) spürte das Kulturfestival in Lesungen, Gesprächen, Vorträgen, Filmen und einem Symposium dem Leben und Werk der außergewöhnlichen Künstlerin nach. Die Kuratierung übernahm das Frankfurter Kulturbüro Drummer und Arns Historiker GbR.
Die „september-phase“ wurde durch den Kulturfonds Bayern sowie den Bezirk Schwaben gefördert und stand unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Programmrückblick des Kulturfestivals "september-phase 2017" in Schwangau

Mittwoch, 06.09. 2017
"Zu Gast bei Ilse Schneider-Lengyel"
Interaktive szenische Lesung zum 70. Gründungsjubiläum der Gruppe 47
Mit Rebecca Mack von Elmenau, Dipl. Dramaturgin Univ., und Mitgliedern des Ensembles „Das Hoftheater“.

Freitag, 29.09.2017
„das wort ist ein unerklärliches geräusch“
Michael Krüger liest aus Gedichten und Briefen von und an Ilse Schneider-Lengyel.
Musikalische Umrahmung durch die Füssener Kammer-Solisten unter der Leitung von John A. Westerdoll.

Samstag, 30.09.2017
"Symposium Ilse Schneider-Lengyel"
Fotografin, Kunsthistorikerin, Ethnologin, Dichtern.
Leben und Werk im Kontext der Zeit. Eine Bestandsaufnahme.

Samstag, 30.09.2017
„Von Ilse ganz zu schweigen“
Künstlerische Annäherungen an Ilse Schneider-Lengyel
- „Die kleine Spanne Spiel“ (2008)
   Filmausschnitte aus der multimedialen Installation, kommentiert von Regisseurin Marie Luise
   Hinterberger
- „Innerfern“ (1983)
   Roman von Gerhard Köpf, vorgestellt und interpretiert von Dr. Kay Wolfinger
- „Von Ilse ganz zu schweigen“ (Ö 2014)
   Kurzfilm & Gespräch mit dem Regisseur und Künstler Jens Höffken

Bayerische Staatsbibliothek München/Ana 372

DER REBELLENAHN

Ich bin als Rebell
Geboren

Zu klein die Welt
Mich zu verlieren
Bin ich da!

Und wenn ich so
Verflucht
Von einer Kuppel hänge

Zeigt mich
Als elenden
Rebellen an.

Ich dränge mich
Und koste alles aus
Es ist Rebellenlohn

Dass ich verscharrt
Unwillig, durstig
Unbesänftigt ende.

...
(Bayerische Staatsbibliothek München/Ana 372, Ilse Schneider-Lengyel, Mappe "Bannwaldsee 1944")

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