02. März 2026

    Fünf Jahreszeiten – fünf Starkbiere

    Wenn in Bayern die Fastenzeit zwischen Fasching und Ostern beginnt, startet auch die Starkbierzeit, die sogenannte „fünfte Jahreszeit“. Was einst in Klöstern des Mittelalters seinen Ursprung hatte, ist heute eine lebendige Tradition im ganzen Freistaat. In der Gemeinde Schwangau wird dieses Brauchtum jedoch in ganz besonderer Weise gepflegt – mit gleich fünf Starkbieranstichen und fünf verschiedenen Starkbieren.

    Gebraut wird das Starkbier bereits seit dem 15. Jahrhundert. Die Mönche nutzten das gehaltvolle und kalorienreiche Bier als flüssige Nahrung, um die entbehrungsreiche Fastenzeit zu überstehen. Schnell hat sich das kräftige, aber auch sehr alkoholreiche Gebräu außerhalb der Klostermauern verbreitet und entwickelte sich ebenfalls in den Wirtshäusern zu einer festen Tradition. 
    Bis heute ist die Starkbierzeit in Bayern untrennbar mit dem sogenannten „Derblecken“ verbunden – der humorvollen Abrechnung mit lokalen Persönlichkeiten und Politikern.

    Schwangauer Starkbiertradition

    In Schwangau besitzt die Starkbierzeit seit fast einem halben Jahrhundert eine große Bedeutung. Die Besonderheit liegt in der Vielzahl der Anstiche im rund 3.400 Einwohner zählenden Dorf.
    Der erste Anstich in der fünften Jahreszeit erfolgt traditionell im historischen Kellergewölbe des Restaurants Schneiderhanser. Hier wird der „Salvator“ der Münchner Traditionsbrauerei Paulaner Brauerei Gruppe ausgeschenkt. 

    Beim Schreinerwirt kommt der „St. Stephansbock“ der Allgäuer Privat-Brauerei Zötler ins Glas. Das Familienunternehmen mit Sitz in Rettenberg braut nach den Slow Brewing Kriterien, mit denen dem Bier ausreichend Zeit für eine schonende Reifung gegeben wird.

    Im ältesten Gasthaus von Schwangau wird das Bier der ältesten Privatbrauerei Münchens ausgeschenkt. Denn in der Post kommt man in den Genuss des „Maximator“ vom Münchner Augustiner-Bräu. 
    Beim Schreinerwirt kommt der „Stankt Stephansbock“ der Allgäuer Privat-Brauerei Zötler ins Glas. Das Familienunternehmen mit Sitz in Rettenberg braut nach den Slow Brewing Kriterien, mit denen dem Bier ausreichend Zeit für eine schonende Reifung gegeben wird. 

    Die Fastenbiere „König Ludwig Ritterbock“ und „König Ludwig Weizenbock“ der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg stehen beim Schlossbräustüberl in Hohenschwangau im Mittelpunkt. Die Brauerei setzt die rund 760 Jahre währende Brautradition des Hauses Wittelsbach fort. Zurückzuführen ist dies in besonderem Maß auf die Initiativen S.K.H. Prinz Luitpold von Bayern, der in den 1970er Jahren damit begann, aus der kleinen Brauerei im Schloss Kaltenberg ein modernes Unternehmen zu entwickeln.

    Was Schwangau besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass im Dorf auch ein eigenes Starkbier gebraut wird – der „Linator“ des Schlossbrauhauses. Seit nun schon 14 Jahren reift das dunkelrotbraune Doppelbockbier jedes Jahr für zwei bis drei Monate und wird jeweils in einer limitierten Menge von nur rund 2.000 Litern hergestellt. Benannt nach der Tochter des Wirts, steht der Linator für handwerkliche Braukunst und regionale Identität.

    Gastfreundschaft, Kulinarik und bayerische Identität

    Während der Starkbierzeit in Schwangau stehen Geselligkeit, bewusste Rückbesinnung auf Ursprünglichkeit und Gemeinschaft im Mittelpunkt. Für musikalische Unterhaltung und zünftige Stimmung sorgen regionale Kapellen und Gruppen mit echter bayerischer Live-Musik. Heimische Spezialitäten dürfen natürlich auch nicht fehlen. 

    Die Starkbierzeit in Schwangau ist damit weit mehr als ein saisonales Ereignis. Sie ist Ausdruck gelebter bayerischer Kultur, Gemeinschaft und regionaler Identität – und zeigt eindrucksvoll, wie eine jahrhundertealte Tradition auch in einer kleinen Gemeinde mit großer Leidenschaft bewahrt und weiterentwickelt wird. 

    Für Gäste und Urlauber ist die Starkbierzeit, die „fünfte Jahreszeit“, ein besonders reizvoller Zeitpunkt für einen Aufenthalt in Schwangau. In diesen Wochen lassen sich die vielfältigen Starkbiere in aller Ruhe verkosten oder im Rahmen stimmungsvoller Starkbierabende mit musikalischer Begleitung genießen. So wird der Besuch nicht nur zu einem kulinarischen Höhepunkt, sondern zu einem ursprünglichen Erlebnis bayerischen Brauchtums.
     

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