Brauchtum & Tradition

Colomansfest

Traditionell wird in Schwangau am zweiten Sonntag im Oktober zu Ehren des Heiligen Coloman, dem Schutzpatron der Tiere, das Colomansfest gefeiert. Verbunden ist das Fest mit dem Colomanstag am 13. Oktober, der als einer der wichtigsten und höchsten Feiertage in der Gemeinde gesehen wird. 

Zu den Höhepunkten des Festes gehört, neben dem Gottesdienst und der anschließenden Pferdebenediktion, der Umzug sowie der Umritt der Colomanskirche, an dem jährlich rund 200 Reiter teilnehmen. 

Für das Schmücken der Tiere stehen die Teilnehmer an diesem Tag schon gegen drei oder vier Uhr morgens auf. Die bunten Schleifen, Blumen und Bänder haben sie meist schon am Vorabend hergerichtet. Vielen Pferden werden auch die Haare zusammengeflochten und kunstvoll mit Blüten geschmückt. 

Auch der Verlauf des Reiterzuges ist durch eine alte Rittordnung vorgegeben und in der offiziellen Satzung des Sankt Coloman-Vereins Schwangau festgelegt. Dabei werden die Pferde von ihren Reitern in traditioneller Tracht und teils ungesattelt geritten.

Der Festzug vom Rathaus zur Kirche St. Coloman wird von der Musikkapelle Schwangau angeführt, gefolgt von Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine, den prächtigen Kutschengespanne für Geistlichkeit, Bürgermeister, Ehrengäste und Ministranten sowie die Reiter. 

Nach dem Feldgottesdienst wir der Pfarrer auf einem Pferd durch die Reihen der Reiter geführt und spendet mit der Colomansreliquie den Segen. Im Anschluss umrunden die Reiter und Kutschen die Kirche zweimal in weitem Bogen, bevor sie erneut von der Musikkapelle Schwangau angeführt den Weg zurück zum Rathaus antreten.

Maibaum

Alle fünf Jahre wird am 1. Mai neben dem Rathaus ein neuer Maibaum vom Gebirgstrachten- und Heimatverein D'Schwanstoaner aufgestellt. Die Vorbereitungen zu diesem Tag beginnen bereits Monate vorher. Am 21. Dezember, der Thomasnacht und längsten Nacht des Jahres, wird der Maibaum gefällt.

Eine Woche vor dem Aufstellen des Maibaums wird dieser ins Dorf gebracht und sorgfältig bearbeitet. Der Stamm wird entrindet, mit den handbemalten Zunftzeichen versehen und auf der Spitze mit einer Schwanenfigur geschmückt. Des Weiteren erhält der Baum eine Girlande aus Weißdoas (Weißtanne), die von den Frauen in Handarbeit gefertigt wird.

Während der Vorbereitungszeit lagert der Baum an einem geheimen Ort – denn ebenso fest verankert wie das Aufstellen des Maibaums ist auch der Brauch des Maibaumstehlens. Vereine aus den Nachbardörfern versuchen dabei, den Baum zu entwenden. Gelingt es ihnen, den Baum über die Ortsgrenzen hinauszubringen, muss dieser mit reichlich Bier und einer Brotzeit wieder ausgelöst werden.

Am 1. Mai wird der fertige Baum dann mit einem festlich geschmückten Pferdefuhrwerk zu seinem Platz neben dem Rathaus gebracht. Voran geht die Schwangauer Musikkapelle, gefolgt vom Trachtenverein und den Helfern. 

Nach dem Abladen des Baumes beginnt die eigentliche Arbeit. Mit reiner Muskelkraft stemmen die Männer des Dorfes den rund 30 Meter langen und etwa vier Tonnen schweren Maibaum in die Höhe. Zur Hilfe nehmen sie lange Holzstangen, die sogenannten Schwalben, die eigens dafür gebunden werden.

Mit jedem kräftigen „Hau Ruck!“ rückt der Baum etwas höher, bis er nach etwa zwei Stunden aufrecht und sicher für die nächsten fünf Jahre steht. Im Anschluss feiern alle Helfer, Einheimische und Gäste zusammen bei Musik und Vorführungen des Trachtenvereins. 

Weitere Brauchtumsveranstaltungen

Funkenfeuer

Das Funkenfeuer, das immer am ersten Sonntag nach Aschermittwoch entzündet wird, ist ein Brauch, der mehrere Jahrhunderte zurückreicht und die Winterzeit vertreiben soll. Eine brennende Hexe symbolisiert dabei den Niedergang und die Vertreibung der bösen Geister. 

Für das Funkenfeuer werden rund 50 Ster Holz benötigt. Der Aufbau beginnt mit dem Graben eines Loches, in dem die Funkenstange, an der die Hexe angebracht ist, fest verankert wird. Anschließend wird rundherum ein großer Haufen aus Balken, Ästen und Christbäumen sowie alten Brettern und Restholz aufgeschichtet.

Bei Einbruch der Dunkelheit wird der Holzhaufen entzündet. Bis zu einer Stunde dauert es gewöhnlich, bis das Feuer die Hexe erreicht. Entscheidend ist dann, in welche Richtung die Funkenstange fällt. Denn aus dieser Richtung, so sagt man, komme das anstehende Jahr über das Wetter. Als schlechtes Omen gilt es dagegen, wenn der Funken umfällt, bevor die Hexe entflammt ist. Traditionell werden an diesem Tag die “Funkenküchle“ ausgegeben. 

Wurmfeiertag

Die Gemeinde Schwangau begeht traditionell am 26. Mai den Wurmfeiertag. Es handelt sich dabei um einen lokalen Feiertag mit Bittgang, der auf eine Engerlingsplage im Jahr 1830 zurück geht. 

In jenem Jahr schlüpften tausende Maikäferlarven im Boden aus ihren Eiern und begannen, sich von den Pflanzen auf Feldern und Gärten der Schwangauer zu ernähren. Durch die Massen an Engerlingen wurde die gesamte Ernte der Bauern vernichtet. In dieser Zeit bat die Pfarrgemeinde am 26. Mai Gott mit einer Bittprozession um die Befreiung von diesem Unheil und gelobte fortan, diesen Tag jedes Jahr wie einen Festtag zu feiern. 

Jeder Feiertag beginnt mit einem Bittgang von der Pfarrkirche St. Maria und Florian im Ortsteil Waltenhofen zur Kirche St. Coloman. Während der Prozession wird der Segen für Fluren und Felder an insgesamt vier Stationen gesprochen. In der Kirche St. Coloman wird anschließend die Heilige Messe zum Gelöbnistag begangen. 

Bergfeuer und Gedenkmessen für König Ludwig II.

Todestag am 13. Juni

König Ludwig II. starb am 13. Juni 1886 im Starnberger See auf ungeklärte Weise. Auch heute noch ist die tiefe Verbundenheit mit dem König in Schwangau spürbar. So wird bereits am Vorabend des Todestages, nach Einbruch der Dunkelheit, ein Bergfeuer in Form eines Kreuzes auf dem Tegelberg entzündet. Das Kreuz ist in der ganzen Region sichtbar und unterstreicht die Bedeutung dessen, was der König für die Region geschaffen und vor allem dem Land hinterlassen hat. 

Am Todestag selbst gedenkt Schwangau in einer Gedenkmesse in der Wallfahrtskirche St. Coloman König Ludwig II.

Geburtstag am 25. August

Am 25. August 1845 wurde dem bayerischen Kronprinzenpaar Maximilian und Marie der langersehnte Erbprinz geboren. Im Grünen Salon von Schloss Nymphenburg in München erblickte der kleine Prinz das Licht der Welt. Wie bereits sein Großvater, entwickelte Ludwig schon sehr früh ein Interesse für die Kunst und in späteren Jahren für die Architektur. Aber auch die Liebe und Verbundenheit zur Natur wurde bereits in seiner Kindheit entfacht. 

Zu Ehren des Geburtstages von König Ludwig II. wird jeweils am Vorabend ein Bergfeuer in Form des Buchstabens L entzündet sowie am Ehrentag eine Gedenkmesse abgehalten. 

Historische Tracht

Schwangaus historische Tracht konnte durch intensive Nachforschungen und mithilfe von Votivtafeln aus der Kirche St. Coloman sowie alten Fotografien aus der Region im Jahr 1985 erneuert werden. Erhaltene Originale aus Schwangau und Umgebung konnten als Schnittmuster verwendet werden. 

Die Männertracht besteht aus einem dunkelblauen Gehrock mit Leinenhemd und roter sowie tief ausgeschnittener Samtweste, die mit silbernen Knöpfen geschlossen wird. Ergänzt wird die Tracht durch eine schwarze Kniebundhose, weiße Strümpfe und Stopselhut mit Silberquaste. 

Zu kirchlichen Festtagen tragen Frauen das Kirchengwand, der Schalk. Dabei handelt es sich um ein eng anliegendes Oberteil aus Seide mit gebauschten Ärmeln und reich verziertem Ausschnitt. Kombiniert wird dazu ein schwarzer Rock mit passender Seidenschürze und eine Otterfellhaube. 

Ebenfalls zu besonderen Festtagen wird das Untermiedergwand getragen, eine Seidenbluse mit verzierten Ärmeln und Ausschnitt, schwarzem Mieder mit Silberkette, schwarzem Rock sowie Seidenschürze und Otterhaube. Bei weltlichen Festen kommt das Tanzlgwand zum Einsatz, das durch den Florentiner Hut geprägt ist.

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