Ob als Ziel einer Wanderung, Fotomotiv oder stiller Rückzugsort – die Kirchen und Kapellen in Schwangau verbinden Geschichte, Architektur und Natur auf besondere Weise. Eingebettet in die beeindruckende Landschaft rund um die Königsschlösser erzählen sie von vergangenen Zeiten und regionaler Baukunst.
Wallfahrtskirche St. Coloman
Auf dem Weg nach Jerusalem rastete der irische Pilger Coloman um das Jahr 1000 an der Stelle, wo heute die Kirche St. Coloman steht. Zwölf Jahre später starb er als Märtyrer in der Stockerau vor Wien. Nachdem sich mehrere Wunder ereignet hatten, wurde er bereits 1014 heilig gesprochen. Bis heute wird der Heilige Coloman vor allem als Schutzpatron bei Krankheiten von Mensch und Vieh verehrt.
Wann bei Schwangau die erste Colomans-Kapelle erbaut wurde ist unbekannt. Belegt ist allerdings die kirchliche Weihe im Jahr 1495. Im Laufe der Zeit wurden die Wallfahrten größer und die Besucher der Messen stetig mehr, sodass es immer wieder zu Erweiterungen an der Kirche kam. Die heutige Kirche bewahrt viele Erinnerungen an ihre Vergangenheit. So befinde sich auf dem rechten Seitenaltar eine Monstranz mit einer Reliquie des Heiligen Coloman, die der Abt von Melk 1720 gestiftet hat.
In der Gesamterscheinung bietet St. Coloman das unverfälschte Bild einer Wallfahrtskirche aus den ersten Jahrzehnten des bayerischen Barocks. Ihre stilrein erhaltene Einrichtung und Ausstattung von Wessobrunner und einheimischen Künstlern machen neben ihrer Lage am Fuße der Schwangauer Berge den besonderen Reiz dieser Kirche aus. Jährlich am Sonntag vor dem 13. Oktober finden hier ein Festgottesdienst, eine Segnung der Pferde und anschließend ein Umritt statt.

Pfarrkirche St. Maria und Florian

In Begleitung des Priesters Tosso von Epfach gründete der Heilige Magnus 746 die Kirche im Schwangauer Ortsteil Waltenhofen. An der Stelle, wo Magnus sein Missionskreuz an einen Apfelbaum hängte und betete, wurde eine kleine Kapelle errichtet. Diese befindet sich gegenüber der Pfarrkirche und soll an dieses Ereignis erinnern. Die erste Weihung der Kirche ist dokumentiert für das Jahr 746 zu Ehren der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria.
Mit dem Abschluss der vielen Erweiterungen 1520 wurde die Kirche zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria und des Heiligen Märtyrers Florian neu geweiht. Seit dem trägt die Pfarrkirche bis heute den Namen St. Maria und Florian.
Die lebensgroßen Holzfiguren der Heiligen Tosso und Sebastian erhielten 1721 ihren Platz in der Kirche mit dem heutigen Hochaltar. Kronprinz Maximilian von Bayern ließ 1837 im nördlichen Chorwinkel ein kleines Oratorium anbauen und stiftete die Uhr rechts über der Kanzel. Seine Frau Königin Marie konvertierte in dieser Kirche und ließ ihr Brautkleid zu einem Messgewand verarbeiten, dass sie Waltenhofen stiftete.
Filialkirche St. Georg
Die Kirche St. Georg erhielt 1997 ihre ursprüngliche gotische Turmspitze wieder und 1996 eine neue Orgel. Bei einer Innenrenovierung kamen an den Seitenwänden in Höhe des Kreuzweges Balkenlöcher zutage. Diese sind zusammen mit den ungewöhnlich dicken Mauern ein Indiz dafür, dass das Kirchenschiff ursprünglich - in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut - ein Wohngebäude war, der Stammsitz der Herren von Schwangau.

Schlosskapelle Christ König
Am Südhang von Schloss Hohenschwangau, in der ehemaligen Orangerie aus dem Jahr 1851, entstand in Zusammenarbeit mit dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds und der Pfarrkirchenstiftung Waltenhofen, die Schlosskapelle Christ-König. Auffallend ist im Altarraum das Tiroler Kruxifix aus dem 18. Jahrhundert. Geweiht wurde die Schlosskapelle im Jahr 2004 und steht seitdem für alle Menschen mit allen Konfessionen offen.

Kapelle Maria am Weg
Am Weg in Richtung Hegratsried befindet sich die Kapelle Maria am Weg. Sie wurde von Markus Fischer und befreundeten Handwerkern errichtet. Die Schwestern der Schönstatt-Kongregation schenkten das Marienbild “Dreimal wunderbare Mutter“ und Bildhauer Haymo Aletsee aus Pfronten schnitzte die Christusfigur nach Oskar Kokoschkas Lithographie des Gekreuzigten. Die Kapelle steht im Sommer zur Andacht offen.


